Krefeld. Am Mittwochmorgen ist es soweit. Mitarbeiter der Stadtwerke tragen den wohl bekanntesten Zeitmesser Krefelds auf den Schultern, um ihn wieder an seinen Platz gegenüber der Haltestelle „Rheinstraße“ aufzustellen. Pünktlich um neun Uhr erstrahlt das Wahrzeichen in neuem Glanz: Der Sockel wurde restauriert, da er Risse hatte und die Konstruktion hat einen neuen Anstrich im traditionellen dunkelgrünen Farbton verpasst bekommen. Außerdem wurde die durchsichtige Verkleidung rund um das Ziffernblatt erneuert, erklärt SWK-Sprecher Dirk Höstermann. Gut zwei Jahre hatten die Stadtwerke die Uhr während der Bauarbeiten für die neue Haltestelle eingelagert.

Neuer Standort mitten auf dem Ostwall war im Gespräch

Ob sie genau da steht, wo sie vor der großen Baustelle am Ostwall die Zeit anzeigte, da waren sich am Mittwochmorgen auch die Verantwortlichen vor Ort nicht ganz sicher. Verwunderlich: Lange sei nicht auch nicht klar gewesen, ob die Uhr überhaupt wieder aufgestellt wird, erklärt Ingenieur Markus Bernthaler vom Fachbereich Stadtplanung. Es habe Überlegungen gegeben, das Wahrzeichen auf dem Mittelstreifen des Ostwalls zu platzieren, gar nicht mehr aufzustellen oder durch eine modernere Uhr zu ersetzen.

Aufbau wurde bewusst nach hinten verschoben

„Nachdem sie früher hier gestanden hat, finde ich es aber passend, dass sie wieder hier steht“, sagt Bernthaler. Bereits Mitte 2015 sollte das gute Stück wieder aufgebaut werden. Die Stadt habe den Aufbau jedoch nach hinten verschoben. Man habe erst den finalen Aufbau des Haltestellenbereichs abwarten wollen, sagt Stadtsprecher Manuel Kölker.

Bei einer „Blitzumfrage“ unter der Uhr wird klar, dass sich viele Krefelder über das Comeback freuen, weil ihr Herz an dem Schmuckstück hängt, aber nicht jeder etwas mit dem Treffpunkt verbindet. „Es ist an und für sich ein Wahrzeichen“, sagt Renate Armbruster. Die 60-Jährige habe sich zu ihrer Jugendzeit regelmäßig „unter der Uhr“ getroffen. „Wenn man sich in Krefeld verabredet hat, dann hier“, sagt Armbruster, die damals in Osterath gewohnt hat. Den Treffpunkt hätten auch Leute von außerhalb gekannt, die sich nicht so gut in Krefeld auskennen.

Für viele Krefelder ist sie Kult, aber nicht für alle

„Es wurde höchste Zeit“, sagt Jörg Wolf. Er wohne erst seit einem halben Jahr in Krefeld und habe trotzdem gewusst, „dass am Ostwall etwas fehlt. Gerade der Kontrast zum modernen Erscheinungsbild der Haltestelle „Rheinstraße“ samt Glasdach spreche ihn an. Das sieht Karl-Heinz Wandschneider ganz anders.

„Wenn man sich in Krefeld verabredet hat, dann unter der Uhr!“

Renate Armbruster

Er habe keine Sehnsucht nach der Uhr verspürt. Lieber würde er es sehen, wenn auch die letzten Teile am Glasdach installiert werden. „An der Front fehlt immer noch ein Stück“, sagt Wandschneider. Die Uhr sei zwar schön, aber „warum machen die nicht erst das Dach fertig?“ Für Sabrina Peinemann repräsentiert die Uhr mit den charmanten Verzierungen „ein Stück Nostalgie“. Sie kann ein leichtes Schmunzeln nicht verbergen, nachdem sie entdeckt hat, dass die Uhr aus den 80er-Jahren wieder da ist. „Man hatte sich daran gewöhnt, dass sie nicht mehr da ist. Aber ich habe mich immer wieder dabei ertappt, dass ich dort hingeschaut habe, um die Uhrzeit abzulesen“, sagt die 36-Jährige, die wie viele andere „unter der Uhr“ nach der Zeugnisausgabe gefeiert hat.

Uyanik Yaruzhan ist 18 Jahre jünger und kann nicht so viel mit der Uhr anfangen. „Ach, die ist wieder da, ist mir gar nicht aufgefallen, dass sie weg war“, sagt der 18-Jährige. Als Treffpunkt habe er den Ort nie genutzt, „eher das Hansa-Centrum“. Hans Böttcher kenne die Uhr natürlich „seit Jahrzehnten“. „Mein Neffe hat sich hier immer mit seinen Klassenkameraden getroffen“, sagt er.

Auch für Petra Fleckenstein war die „UdU“ ein beliebter Ort in ihrer Teeniezeit. Krefeld ohne Uhr wäre für die 46-Jährige nicht denkbar. „Hier habe ich mich immer verabredet.“ Daher sei die dunkelgrüne Funkuhr für sie mehr, als nur ein Zeitmesser. „Obwohl sie natürlich auch als Uhr was her macht“, sagt Fleckenstein.