Nachruf in der Rheinischen Post, Krefeld, Karsamstag, 7. April 2012:
Krefeld
Stadthistoriker Feinendegen
starb vorgestern
Krefeld (RP). Der Krefelder Heimatforscher
Reinhard Feinendegen ist tot. Er starb nach langer, schwerer Krankheit
in der Nacht von Donnerstag auf Karfreitag im Alter von 79 Jahren. Der
gebürtige Krefelder wäre am 2. Juni 80 Jahre alt geworden.
Für viele war der Stadthistoriker
eine Instanz. Er wirkte im Denkmalausschuss mit, war Mitherausgeber von
"Der Heimat". Sein größtes Werk aber war die Mitarbeit an der
fünfbändigen Stadtgeschichte.
Reinhard Feinendegen studierte nach
seinem Abitur am Gymnasium am Moltkeplatz in Köln, Freiburg und Bonn
und absolvierte die philologische Staatsprüfung in Englisch und Geschichte.
1961 promovierte er über den niederrheinischen Adel der Neuzeit und
seinen Grundbesitz. 1962 nahm er den Schuldienst in seiner ehemaligen Schule
auf.
Von 1970 bis zu seiner Pensionierung
war er Leiter des Gymnasiums Horkesgath. Von 1976 bis 2009 war er Vorsitzender
des Vereins für Heimatkunde (seit 2009 Ehrenvorsitzender) und Schriftleiter
des vom Verein herausgegebenen Jahrbuchs "Die Heimat".
Ausgezeichnet wurde er 1984 mit
dem Rheinlandtaler, 1989 mit dem Bundesverdienstkreuz, 2007 erhielt er
die Stadtehrenplakette der Stadt Krefeld, 2010 den Niederrheinischer Literaturpreis
zusammen mit Hans Vogt für die fünfbändige Stadtgeschichte.
"Geschichtliches Denken anzustoßen,
war mir stets ein Anliegen", sagte Reinhard Feinendegen, "aber an diese
Herkulesarbeit hatte ich nicht gedacht." 13 Jahre haben die Herausgeber
Reinhard Feinendegen, der übrigens früher Geschichtslehrer von
Gregor Kathstede war, und Hans Vogt an dem opulenten historischen Werk
gearbeitet. Die Idee, Krefelds Geschichte von der Frühzeit bis heute
mit all ihren Facetten aufzuschreiben, wurde schon Anfang der 70er Jahre
zur damals anstehenden 600-Jahr-Feier Krefelds geboren. Doch bis zu ihrer
Verwirklichung vergingen dann noch viele Jahre. Erst als die beiden Herausgeber
in den beruflichen Ruhestand getreten waren, kam Bewegung in das Vorhaben.
Feinendegen und Vogt nahmen sich der Aufgabe 1997 auf ehrenamtlicher Basis
im Auftrag der Stadt an.
Rheinische Post, Krefeld, 10. April 2012:
Krefeld
Ein weltoffener Heimatliebhaber
zuletzt aktualisiert: 10.04.2012
Krefeld (RP). Mit Reinhard Feinendegen verliert Krefeld
einen Historiker Krefelds, der die Liebe zu seiner Heimatstadt mit philologischer
Genauigkeit verband. Viele empfinden auch den Christenmenschen Feinendegen
als Vorbild.

So wird er in Erinnerung bleiben: Reinhard Feinendegen voller Freude über die Arbeit an der Geschichte Krefelds. Das Foto entstand 2008 bei einem Interview über die Arbeit am letzten Band der „Krefelder Stadtgeschichte“. Feinendegen ist in der Nacht auf Karfreitag gestorben. Foto: RP-Archiv
Wir baten zum Tode des Heimatforschers Reinhard Feinendegen
Weggefährten um eine Würdigung. Stellvertretend für viele
erinnert sich Theodor Pelster, ein
langjähriger Freund von Feinendegen, an den Historiker, der, wie berichtet,
in der Nacht zu Karfreitag gestorben ist.
"Als sich am Karfreitag die Nachricht verbreitete,
dass Reinhard Feinendegen, der vielfach ausgezeichnete Heimatforscher,
der ehemalige Schulleiter des Gymnasiums Horkesgath und der engagierte
Mitbürger der Stadt Krefeld, gestorben sei, erschraken auch diejenigen,
die von seiner schweren Krankheit wussten. Reinhard Feinendegen war ein
Leben lang heimatverbunden und weltoffen zugleich. Wenn er von seiner Kindheit
und Jugend erzählte, merkte man, dass ihn der Niederrhein und insbesonders
Uerdingen, die Stadt am Rhein, geprägt hatten.
Dort war er Schüler und Pfadfinder gewesen, ehe er zum Studium nach Freiburg, später nach Bonn aufbrach. Ich lernte ihn kennen, als er bereits mit seiner Dissertation beschäftigt war. Er arbeitete ausdauernd, fleißig und sorgfältig in Bonn im "Institut für Geschichtliche Landeskunde der Rheinlande" und bestand bald das Promotionsverfahren mit höchster Auszeichnung. Wir trafen uns damals während der Woche ziemlich regelmäßig in der Mensa am Krefelder Tisch und sonntags häufig bei Veranstaltungen der katholischen Studentengemeinde. Er legte dann seine Staatsexamina ab, war eine Zeit lang als Lektor in England tätig und trat dann 1962 den Schuldienst in seiner Heimatstadt an.
Bald war er in unserer Stadt eine Institution: Er war
"Gründungsrektor" des Gymnasiums Horkesgath, erhob seine Stimme in
den Ratsgremien, übernahm die Schriftleitung der "Heimat", mischte
sich als engagierter Bürger in die öffentlichen Diskussionen
– auch durch eine Reihe von Leserbriefen – ein und half schließlich
noch im Kirchendienst seiner Pfarre aus, wenn dort Not war. Zu keinem dieser
vielen Ämter hat er sich gedrängt. Aber nie hat er sich der Verantwortung
versagt, die man ihm anvertraute, weil man seine Fähigkeiten und seine
Tugenden zu schätzen und zu nutzen wusste. Reinhard Feinendegen war
ein Bewahrer, kein Neuerer. Er lebte und wirkte aus seinen Grundüberzeugungen
und ließ sich nie von Modetrends vereinnahmen.
Als Schulleiter prägte er seine Schule. Als Schulleiter
kannte er die meisten Schülerinnen und Schüler mit Namen und
Kurzbiographien, auch wenn er sie selbst nie unterrichtet hatte. Das Kollegium
schätzte seine Gradlinigkeit und seine Zuverlässigkeit, auch
seine Art, freundlich im Umgang und streng in der Sache zu sein.
Die Stadt Krefeld verdankt in weitem Maße ihm, dass
sie eine Stadtgeschichte vorzeigen kann, die ihresgleichen sucht. Das fünfbändige
Werk mit dem zusammenfassenden Titel "Krefeld. Die Geschichte der Stadt"
war 2010 vollendet worden: Gesamtgewicht acht Kilo, Gesamtumfang 3500 Seiten
mit mehr als 12000 Fußnoten.
Insgesamt 25 Autoren haben über Jahre hinweg mitgedacht
und mitgearbeitet. Reinhard Feinendegen war nicht nur der Mann der ersten
Stunde, sondern als einer der Schriftleiter auch derjenige, der viele Jahre
lang die Fäden in der Hand hielt, der vermitteln und antreiben musste
– wieder "freundlich im Umgang, streng in der Sache" –, der alle Fußnoten
überprüfte und die ersten und letzten Korrekturen las.
Am 5. Dezember 2010 wurde dafür ihm und dem Mitherausgeber Hans Vogt der Niederrheinische Literaturpreis verliehen. Es war nicht die erste Auszeichnung für Reinhard Feinendegen. Er hatte bereits den Rheinlandtaler, die Ehrenplakette der Stadt Krefeld und das Bundesverdienstkreuz erhalten. Er nahm diese und andere Ehrungen überrascht und dankbar an, aber sie änderten nichts an seiner sprichwörtlichen Bescheidenheit. Er wollte nie Mittelpunkt sein und war es dessen ungeachtet immer wieder bei Veranstaltungen der Heimatfreunde und bei vielen privaten Treffen.
Wichtiger als die öffentliche Anerkennung war ihm die Geborgenheit in der Familie; denn Reinhard Feinendegen war nicht in erster Linie Wissenschaftler, auch nicht Stadtpolitiker, sondern Familienmensch. Er lebte voller Dankbarkeit in einer geglückten, langdauernden, christlichen Ehe, war ein aufmerksamer, stets hilfsbereiter Vater dreier Kinder und am Ende stolzer Großvater. Unsere Trauer ist groß. Sicherlich ist der Verlust, den die Familie, die Verwandten, die Bekannten und die Freunde erlitten haben, unterschiedlich schmerzlich. Ein Trost für alle ist jedoch zu wissen, dass der Verstorbene aus der festen Überzeugung lebte, dass unser Lebenin Gottes Hand liegt. Ihm hat er sich anvertraut. Uns aber bleibt er Vorbild."
Westdeutsche Zeitung online, Krefeld, 10. April 2012
Heimatforscher Reinhard Feinendegen gestorben: Das
Gedächtnis der Stadt
Von Christoph Elles
Reinhard Feinendegen ist im Alter von 79 Jahren gestorben.
Für Krefeld ist er unersetzlich.
Krefeld. Sein größter Wunsch ist unerfüllt geblieben. Über Jahrzehnte hatte Reinhard Feinendegen für eine stadtgeschichtliche Abteilung auf Burg Linn gekämpft, doch trotz eines gültigen Ratsbeschlusses aus dem Jahr 1989 existiert sie bis heute nicht. „In höchstem Maße blamabel“ hat Feinendegen das im Juni 2009 genannt und traurig angefügt: „Ich habe mich damit abgefunden, dass ich diesen Moment nicht mehr erleben werde.“
So ist es nun eingetreten: Reinhard Feinendegen ist in der Nacht zu Karfreitag im Alter von 79 Jahren gestorben. Obwohl er lange schwer krank war, trifft dieser Verlust viele Menschen tief, man könnte sogar sagen: Er trifft ganz Krefeld. Feinendegen war die Instanz in Sachen Heimatkunde, er war das Gedächtnis dieser Stadt.
Er hat der Nachwelt einen Schatz mit 3600 Seiten hinterlassen
Welch Glück im Unglück, dass er der Nachwelt Teile dieses Schatzes hinterlassen hat, auf 3600 Seiten, in fünf Bänden Krefelder Stadtgeschichte, Gesamtgewicht: 7,5 Kilogramm. Mit Hans Vogt hat Feinendegen dieses Lebenswerk binnen 13 Jahren gestemmt, dafür gab es erst kürzlich den Niederrheinischen Literaturpreis.
Noch länger, 33 Jahre, hatte der promovierte Historiker die Schriftleitung der „Heimat“ inne, stets hart und exakt in der Sache, liebenswert und bescheiden im Umgang. So kannten ihn auch seine CDU-Parteifreunde, mit denen er über Denkmalpflege und Stadtgestaltung stritt, und so haben ihn auch die meisten seiner Schüler in Erinnerung. Reinhard Feinendegen war Lehrer aus Überzeugung. Der Sohn eines Schulleiters baute ab 1970 das Gymnasium Horkesgath mit auf und führte es bis 1995.
Im Ruhestand konnte er sich noch intensiver dem Thema
widmen, das sein Leben wie ein Motto begleitet hat: Heimat. Für ihn
hatte das nichts mit Kitsch zu tun, schon gar nichts mit Nationalstolz
und Volkstümelei. Feinendegen war weltoffen, er reiste mit seiner
Frau durch halb Europa, beantwortete geduldig und präzise Anfragen
anderer Heimatforscher aus aller Herren Länder.
Für ihn selbst, der 1932 in Uerdingen geboren wurde,
war Bockum mehr als 50 Jahre lang die Heimat, hier fand er Gelassenheit
und Zufriedenheit. „Heimat ist für mich das Gefühl, einen festen
Standpunkt zu haben, statt durch die Luft zu vagabundieren“, sagte er einmal.
Heimat, das hieß auch Familie. Für seine Frau,
seine drei Kinder und die Enkel hatte er zuletzt mehr Zeit.
Das Mammutprojekt Stadtgeschichte lag da hinter ihm,
er hoffte, das Werk möge 100 Jahre gelten. Zumindest dieser Wunsch
wird sich wohl erfüllen.
Presseamt der Stadt Krefeld, 10. April 2012:
Dr. Reinhard Feinendegen ist
im Alter von 79 Jahren gestorben
Der Krefelder Heimatforscher, Historiker und Philologe Dr. Reinhard Feinendegen ist am 5. April im Alter von 79 Jahren gestorben. Der ehemalige Schuldirektor und langjährige Herausgeber des Krefelder Jahrbuches „die Heimat“ wurde am 2. Juni 1932 in Krefeld geboren. Er wuchs in Uerdingen auf. Seine Jugendzeit verbrachte er unter anderem bei den Georgs-Pfadfindern. Er absolvierte 1952 am Gymnasium Am Moltkeplatz das Abitur und studierte anschließend in Köln, Freiburg und Bonn. Er legte die Philologische Staatsprüfung in Englisch und Geschichte ab und begann 1962 seinen Schuldienst im Gymnasium am Moltkeplatz. Von 1970 bis zu seiner Pensionierung 1995 leitete er das Gymnasium Horkesgath, dessen Aufbau er maßgeblich leitete. Dessen Schulbetrieb startete an der Hofstraße noch als Provisori-um mit 64 Schülern.
Viele Jahre lang war Dr. Reinhard Feinendegen Mitglied im Schulausschuss und Sprecher der Gymnasialschulleiter. Ende der 1970er-Jahre wechselte Feinendegen in den Denkmal- und Kulturausschuss. In über 30 Vereinen war Dr. Reinhard Feinendegen als aktives oder passives Mitglied eingebunden. Ab 1976 leitete er bis 2009 als Vorsitzender den Verein für Heimatkunde. Dessen Jahrbuch „Die Heimat“ betreute er als Schriftleiter zusammen mit Oskar Burghardt über drei Jahrzehnte. Mit wohlwollender Geduld gegenüber den zahlreichen Autoren und einer Liebe zum Detail feilte Dr. Reinhard Feinendegen an der Schlussredaktion, so dass die Beiträge auch einem wissenschaftlichen Anspruch genügen konnten. Dabei unterstützte ihn auch seine Ehefrau Margot. Das Krefelder Jahrbuch wurde 1991 als beste Heimatzeitschrift bundesweit in Bocholt ausgezeichnet. Feinendegen hat überdies zahllose Artikel zur Krefelder Stadt- und auch Kirchengeschichte verfasst und etliche Bücher geschrieben. Beliebt waren seine Stadtführungen zur Historie der Krefelder Innenstadt, Hohenbudberg, Bockum oder Uerdingen. Zahlreichen Bürgern ist er durch diese kenntnisreichen und heiteren Stadtführungen so bekannt geworden. Er ist Mitherausgeber der fünfbändigen Krefelder Stadtgeschichte. Den Niederrheinischen Literaturpreis der Stadt Krefeld nahm er mit Dr. Hans Vogt für diese Publikation im Jahr 2010 entgegen.

In seinem vielfältigen Einsatz für seine Heimatstadt ragt seine Tätigkeit im Verein für Heimatkunde heraus. Er prägte diesen Verein und er garantierte das hohe Niveau der Publikationen, besonders des Jahrbuchs „die Heimat“. Als er sich mit der Ausgabe der Heimat 79 im Jahr 2008 aus der Schriftleitung zurückzog, schrieb er: „Ich tue dies mit einem lachenden und einem weinenden Auge; mit einem lachenden, weil ich sicher bin, dass meine beiden Mitredakteure die Arbeit ideen- und erfolgreich weiterführen werden, aber auch weil ich froh und stolz zurückschauen kann auf 33 Jahre intensiven Bemühens um unsere Zeitschrift; mit einem weinenden, weil ich eben Abschied nehme von einer zwar nicht gerade leichten, aber außerordentlich befriedigenden Tätigkeit“.
| 11.04.2012 / WZ, RP
Familie Feinendegen |
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12.04.2012, WZ / RP
Stadt Krefeld |
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12.04.2012, WZ / RP
Verein für Heimatkunde e.V. Krefeld |
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12.04.2012, WZ, RP
Gymnasium Horkesgath |
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12.04.2012, RP
Bezirksregierung Düsseldorf |
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Mit Dank an die Rheinische Post, Krefeld, dort erschienen am 1. Juni 2007 zum 75. Geburtstag vom 2. Juni 2007 |
Mit Dank an die Westdeutsche Zeitung, Krefeld,
2. Juni 2007: